Daniela Maierhofer von Fluxus Reisen bewirbt sich für die Rallye Aicha des Gazelles 2014 in Marokko

Verfasst von: Daniela Maierhofer

Von über 100 Bewerberinnen für die Rallye Aicha des Gezelles 2014 wurden die besten 12 zum Auswahltraining nach Bad Wörishofen eingeladen:

1 Siw Müller
2 Daniela Maierhofer
3 Claudia Uhlmann
4 Christina Hindemith
5 Inka Gärtner
6 Jeanette Gernich
7 Luise Reißig
8 Evelyn Möller
9 Bianca Mühlhammer
10 Inge Huber
11 Erika Roth
12 Stefanie Weiß

Wie es dazu kam:

Irgendwann Ende November, an einem Freitag, entschloss ich mich die Handwerkszeitung mit nach Hause zu nehmen und sie am Samstag zum Frühstück zu lesen. Vielleicht sucht ja jemand eine Schlosserei oder ich finde einen geeigneten Meister, der sich an der Firma beteiligen will, damit ich mich immer mehr meiner eigentlichen Leidenschaft Fluxus Reisen widmen kann. Hierzu muss ich vielleicht kurz erklären, was es mit der Schlosserei auf sich hat. Von 1993 bis 2002 war ich als Reiseleiterin der Dominikanischen Republik bevor mein Vater 2001 arbeitsunfähig wurde und ich somit aus dem Paradies abberufen wurde, um den elterlichen Betrieb, die Metallbau Maierhofer GmbH, als Geschäftsführerin zu übernehmen. Seit nunmehr 11 Jahren leite ich diese Firma und habe 2013 FLUXUS Reisen gegründet um mich langsam wieder meiner Leidenschaft, der Reisebranche, zu widmen. 

Als ich dann Samstagmorgen die Zeitung zur Hand nehme, springt mir dieser riesige Artikel entgegen, über eine Frauenrallye durch Marokko. Die Rallye „Aicha des Gazelles“ ist das Gegenstück zur Rallye „Paris-Dakar“ rein für Frauen. Bewerben konnten sich Frauen aus dem Handwerk. Nachdem ich mir alles durchgelesen hatte, bin ich davon überzeugt, daß ich mich für diese Rallye unbedingt bewerben muss und tue dies auch gleich online. 

Am 13.01.2014 komme ich von meiner ersten eigens organisierten und von mir begleiteten Kubareise zurück und habe Post! Ich bin unter den letzten 12 Bewerberinnen und eingeladen zum Auswahltraining. Ich kann es kaum glauben, es könnte tatsächlich wahr werden, an einer Rallye quer durch die marokkanische Wüste teilzunehmen! 

Am Freitag, den 17.01.2014 fahre ich um 6:30 Uhr los nach Bad Wörishofen. Ich komme pünktlich am Holzmann Gebäude, der Agentur, die das Ganze organisiert, an und einige der „Auserwählten“ sind schon da. Man spürt, wie man von den anderen Teilnehmerinnen insgeheim „abgecheckt“ wird. Da ich aufgrund der kurzfristigen Planung der Kubareise keine Zeit hatte mich näher mit der Rallye zu beschäftigen, habe ich eigentlich keine Ahnung was hier auf mich zukommt. Im Gegensatz zu manch anderen Teilnehmerinnen, die sich bereits im letzten Jahr beworben haben und erneut unter den letzten 12 sind.

Ein Tag voller Überraschungen

Nach einem kurzen Begrüßungsgespräch sowie einer Erläuterung, welche Überraschungen der Tag für uns auf Lager halten wird, bekommen wir alle ein Laibchen mit einer Nummer drauf. Meine Nummer ist die 2. Laibchen an und los geht´s. Wir werden in drei 4er Teams eingeteilt. Team Nummer 1, das sind wir, beginnt mit dem Fahrtest. In einem Mercedes Sprinter mit Allradantrieb geht es in eine nahegelegene Kiesgrube. Dort müssen wir zuerst einzeln unser fahrerisches Können unter Beweis stellen. Das war soweit kein Problem, bis auf das Wenden in einem viel zu kleinen Eck ohne die viel zu eng gesteckten Pylonen umzunieten, das ging gar nicht! Was dann aber richtig aufregend wurde: Eine von uns soll einen Slalomparcours fahren und die Beifahrerin navigiert, das Ganze jedoch mit verbundenen Augen!!! Halllloooo, der Parcours ist ja noch nicht mal mit offenen Augen so „easy peasy“ zu schaffen, wie soll das denn gehen?!?! Vor mir und meiner Partnerin sind allerdings erst einmal die anderen beiden aus unserem Team dran. Na mal sehen, wie viele Pylonen da am Ende noch stehen. Und dann kommt´s: Die beiden absolvieren den Parcours als wäre es eine Spazierfahrt – ohne Fehler. Druck? – Nein, Druck verspüre ich in diesem Moment überhaupt nicht! Sondern mir geht der Arsch gerade auf Grundeis. Ich werde als Fahrerin auserkoren und bekomme die Augen verbunden. Die nächsten Minuten funktioniere ich einfach nur, meine Navigatorin macht ihren Job jedoch einwandfrei und auch wir absolvieren den Parcours fehlerfrei. Eine wahnsinns Erfahrung sich blind auf jemanden verlassen zu müssen.


Rallya Aicha des Gazelles 2014 - Casting Teil 1

Navigation - dafür gibt's doch Geräte, oder?

Als nächstes steht Navigation auf dem Programm. Als in 2 Minuten erklärt wird, wie man mit Längen- und Breitengrade sowie deren Stunden, Minuten und Sekundenangaben eine Position auf einer Karte errechnen kann, man dafür 2 komische Lineale braucht und wie man dann auch noch die Luftlinie zwischen zwei Punkten berechnet, denke ich kurz an meinen Segeltörn. Da hätte ich doch eigentlich die Gelegenheit gehabt, mich von unserem Kapitän in die nautische Navigation einweisen zu lassen. Dann bräuchte ich jetzt nicht ständig blöde Fragen zu stellen. Vor allem, weil sich die anderen Teilnehmerinnen wohl bestens vorbereitet haben. Nach einem Orientierungslauf bei strömendem Regen und 5 Grad kommen wir völlig verfroren wieder am Gebäude an und schon geht es weiter: Motivationsgespräch. Hmm, was ist eigentlich meine Motivation in 10 Tagen 5.000 km in einem Mercedes Sprinter herunterzureißen, täglich nur 4 Stunden auf einer Isomatte im Zelt zu schlafen und 13 Stunden Autozufahren?!?! Erst jetzt wird mir so richtig klar, auf was ich mich hier eingelassen habe. Dann wird auch noch nach meiner Meinung zu dem humanitären Hintergrund der Rallye gefragt. Entschuldigung!!!!, ich habe zwei Firmen, gerade eine Rundreise durch Kuba organisiert und der Endjahresstress liegt nur knapp hinter mir! Ich hab mich einfach nur beworben, wollte aber keine Doktorarbeit über die Rallye schreiben! Kurz gesagt: Ich hatte keine Ahnung, dass das Ganze einem charitativen Zweck dient. Blöd gelaufen, ich glaube das kam bei der Jury nicht so gut an. Auch hätte ich vielleicht ein bisschen schummeln sollen, als ich nach den Sportarten gefragt werde, die ich betreibe. Ich kann ja fast alles, Reiten, Segeln, Golfen, Tennis etc., aber so richtig machen tue ich nichts. Wieder mal viel zu ehrlich, ein ewiges Leid, das mich schon mein Leben lang beschäftigt.

Palez vous francais?

Ok, schwamm drüber, jetzt kommt der Sprachtest. Bingo! Immerhin spreche ich ja fließend Englisch und Spanisch. Da fängt der Juror an mich mit „Bonjour madame“ zu begrüßen. Och nee, können wir nicht auf spanisch? Also mit Französich hab ich auch nix am Hut, dafür hab ich ihn dann auf Englisch totgequatscht. Ich glaube er war beeindruckt. Hilft aber nix, die Rallye ist in Marokko und da wird nun mal Französisch gesprochen. Ich steh nicht so auf „Französisch“ meinte ich dann nur. Den Wortwitz hat er glaube ich nicht wirklich verstanden!

Um an der Rallye Aicha des Gazelles teilnehmen zu dürfen, wurden die Teilnehmerinnen auf Herz und Nieren geprüft

Frauen und technisches Know How

So, nächste Station: Technisches Know How. Wechseln Sie doch mal an einem Mercedes Vito einen Allradreifen. O.k., kein Problem, nur dass dieser Reifen fast halb so groß ist wie ich und der Ersatzreifen in einer Halterung im Inneren des Transporters angebracht ist. Die hier entstandenen Fotos scheinen den Veranstaltern gut gefallen zu haben, wurden doch gleich 2 von mir beim Reifenwechseln im ersten Bericht über das Auswahltraining abgedruckt. Da ich die kleinste Bewerberin war, kommt der Reifen auch richtig groß raus. Und nun zeigen Sie uns doch mal bitte wo sich die Batterie, der Behälter für Scheibenwischwasser, Öl und Bremsflüssigkeit befinden. Kein Problem für mich, puh. Wissen Sie wo sich der Luftfilter befindet? Ja, das weiss ich auch. Gut, dann bauen Sie diesen bitte aus und reinigen den Luftfilter. Auch das stellte kein allzu großes Problem dar. Nur das ich die Schelle des Zuluftschlauchs beim wieder zusammenbauen falsch herum draufgesetzt hatte und dann alles nochmal auseinanderbauen musste. Also bitte, das kann doch mal passieren, oder?

Nachdem alle Teams alle Stationen durchlaufen hatten, zieht sich die Jury zurück um sich darüber zu beraten, welche beiden Frauen nun in Marokko an den Start gehen werden. Insgeheim hab ich eine Scheißangst, dass es vielleicht tatsächlich reichen könnte, denn ich habe im Laufe des Tages einen großen Respekt vor den beiden Damen bekommen, die dieses Abenteuer im vergangenen Jahr durchlebt haben.

Nach der spannenden Verkündung der Fahrerin und der Navigatorin steht fest, es hat nicht gereicht, aber dieser Tag in Bad Wörishofen war trotzdem eine tolle Erfahrung.

Wir bedanken uns recht herzlich bei der Deutschen Handwerkszeitung und dem Fotografen Andreas Bröckel, daß diese uns die Bilder zur Verfügung gestellt haben.